Jesus, du weisst
Provokant und entlarvend - der neue radikale Film von Ulrich Seidl
Ein Film als Beichtstuhl. Menschen gehen in die Kirche, Menschen sitzen alleine in der Kirchenbank, Menschen beten zu Jesus, der ihnen alles ist: Vater und Freund, Heiland und Retter, Wegweiser und Klagemauer, Redender, Schweigender, Liebender.
Da ist etwa ein Student, der gegen den Willen seiner Eltern täglich die Messe besucht, seine ganze Freizeit in der Kirche verbringt und der Jesus einfach alles erzählt und alles bereut: erotische Phantasien wie Heldenträume.
Da ist eine Mutter von zwei Kindern, die genauso viel Zeit in der Kirche verbringt wie zu Hause, wo sie seit Jahren ihren gelähmten Mann pflegt. Innigst bittet sie Jesus, dass er ihren Mann, einen Moslem, heilen möge. Der wiederum sieht in seiner Krankheit die Gottesstrafe dafür, dass er eine Christin geheiratet hat.
Oder die pensionierte Chemielehrerin, die von ihrem Lebensgefährten mit einer anderen Frau betrogen wird. Sie sinnt im Gebet nach Rache. Aber ist Rache nicht Sünde? Wie viele andere kommt sie in die Kirche und klagt, kollaboriert, sinniert, bekennt, grübelt und bittet Jesus, er möge ihr verzeihen.
Formal streng zeigt Ulrich Seidls neuer Film JESUS, DU WEISST sechs fragmentarische Porträts von Gläubigen, die ganz persönlich mit Jesus sprechen. Jede der sechs Geschichten öffnet dabei einen Raum, eine Intimität, eine Aussicht auf das, was man Gott nennen könnte.
Bester Dokumentarfilm: Festival Karlovy Vary
"Seidls aufwühlendes Projekt begeht einen wahren Tabubruch."
Neue Zürcher Zeitung
"Es ist Seidls strengste Arbeit bisher und eine seiner schönsten: Selbstreflexiv in der Form, die die Pietät der Beichte mit dem Selbstausbeutungs-Konzept der Talkshows zusammen denkt. Was daraus entsteht sind aufrichtige Berichte von Einsamkeit."
Die Presse
"Seidl liegt nichts an voyeuristischer Belustigung: Er attackiert nicht die, die er filmt, sondern die, die er damit erreicht."
Profil
"Ein komischer, berührender und manchmal gnadenloser Film."
Walter Gasperi, Katalog Viennale
"Seidl filmt einmal mehr in einer (Tabu-)Zone des absolut Privaten und erzeugt damit eine demaskierende Authenzität, die schmerzt. Mit Kalkül inzseniert, provokant und entlarvend - 88 Filmminuten, die irritieren."
Salzburger Nachrichten
Regisseur Ulrich Seidl zu seinem Film JESUS, DU WEISST:
"Ich wollte nicht die Heuchelei oder Erstarrtheit, das Zeremonielle, Bigotte, autoritär Konservative oder den Kitsch an der katholischen Kirche zeigen. Was mich interessiert hat, war das intime Gebet der Menschen zu Gott.
Ich wollte keine extremen und abgehobenen oder sektiererischen Menschen zeigen, sondern durchschnittliche Gläubige. Ich habe selbst als Jugendlicher gegen mein autoritär geprägtes, katholisches Elternhaus revoltiert.
Aber ich habe vom katholischen Glauben auch viel mitgenommen. Heute weiss ich, dass ich die Basis des Christentums in mir trage, zum Beispiel die Idee der Solidarität."
Ulrich Seidl


