Jin-Roh (The Wolf Brigade)
Ein phänomenales Anime nach einer Idee von Mamoru Oshii (Ghost in the Shell)
Japan, zehn Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Es verhärten sich die Fronten zwischen Regierungsgegnern und der Polizei, unter Einsatz scharfer Waffen eskalieren die Zusammenstöße in den Straßen. Ein junges Mädchen verübt vor den Augen des Anti-Terror Polizisten Fusé ein Selbstmordattentat - den läßt das Bild des Mädchens nicht mehr los; er besucht ihr Grab und trifft dabei auf ihre ältere Schwester, mit der er eine ungewöhnliche Affäre beginnt.
Verflochten mit der Liebesgeschichte sind die Verwicklungen rund um die komplexe Organisation der Polizei, in der sich durch eine politische Verschwörung rivalisierende Splittergruppen gegenseitig bekriegen. Es kursieren Gerüchte über eine mysteriöse Einheit namens Jin Roh (Menschlicher Wolf), von der niemand weiß, ob sie existiert und welche Ziele sie verfolgt. Am Ende liegt es bei Fusé, eine Entscheidung zu treffen, um all diese Kämpfe zu einem Ende zu bringen.
Jin-Roh ist kein herkömmlicher Politthriller. Vielmehr bietet die Politik die Kulisse für ein allzu menschliches Drama, in der Variante einer modernen "Rotkäppchen"-Version. Im Mittelpunkt stehen die Menschen Kazuki Fusé und eine junge Frau, die sich als Schwester des Mädchens im roten Mantel vorstellt. Fusé wurde zum Elitekämpfer ausgebildet. Doch der ewige Kriegszustand im Kopf kann nicht verhindern, dass sich sein menschliches Unterbewußtsein meldet. Er wird mit dem Gefühl der Liebe konfrontiert und steht vor dem Scheideweg: Entscheidet er sich für den Weg des Menschen oder den des Wolfs?
"Die kühle, intellektuelle Sicherheit, die Okiuras Film ausstrahlt, passt gut zu seinem imaginierten Nachkriegsjapan, in dem nicht amerikanischer Konsumismus, sondern deutsche Mythen die alten Traditionen ersetzen: Parallel zur Handlung, in der die 'Wolfsbrigade' mit der minderjährigen "Rotkäppchen"-Einheit, die die Sprengstoffkuriere stellt, kollidiert, gibt eine uralte, wesentlich brutalere Variante des Grimmschen Märchens den Geschehnissen übergreifende Resonanz.
Interessanterweise erinnert JIN-ROH thematisch dann auch weniger an andere Animes, als an zahlreiche Filme über Widerstandskämpfer (insbesondere Andrezeij Wajdas KANAL, 1957, zumal viele Szenen in der Kanalisation Tokyos spielen): Hauptanliegen ist die Frage, wie man sich in Zeiten des Kampfes menschlich verhalten kann. Schwankend zwischen mitgefühlter Melancholie und Distanz zu seinen Figuren, steuert JIN-ROH unaufhaltsam einem Ende entgegen, das beide Pole mit grosser Durchschlagskraft verbindet."
Christoph Huber, RAY
"A superbly crafted science-fiction fairy tale...akin to the stylized
pessimism of Nagisa Oshima's Night and Fog in Japan."
J. Hoberman, The Village Voice
"A searing tale of the self-perpetuation of power at all costs...Mamoru Oshii and Hiroyuki Okiura make the politics virtually abstract, and the players all too human."
Sean Axmaker, Seattle Post-Intelligencer
