I'm Not There
Bob Dylan: Varianten eines Dichters und Sängers
«Mit 'Velvet Goldmine' hat der US-Regisseur vor rund zehn Jahren schon den Glamrock filmisch durchleuchtet, jetzt blendet er noch ein Stück weiter zurück bis zur Geburt der Gegenkultur und sorgt mit seinem Dylan-Kaleidoskop für eine Offenbarung in Venedig: Endlich ein Film, der zeigt, was Kino in seiner ganzen Fülle sein kann! Und auch: Endlich ein Regisseur, der radikalen Eigensinn zeigt und sich dennoch keineswegs abkapselt von der Welt. 'I'm Not There' ist mit dem Einverständnis von Bob Dylan entstanden, aber ohne dass der Regisseur je mit ihm gesprochen hätte.
Und der Film schillert wie ein Prisma: Er spaltet die Person Dylan in sechs verschiedene Figuren auf, die alle eigene Namen tragen und von sechs verschiedenen Schauspielern verkörpert werden. (...) Auf dem Papier klingt das nach absturzgefährdetem Kopfkino, auf der Leinwand ist das berauschend und ein Triumph für den Regisseur. Mit dem sechsfachen Dylan hat Todd Haynes nicht bloss eine bestechende Form gefunden, diesen notorisch widerspenstigen Künstler ins Kino zu übersetzen, ohne ihn auf irgendeine halbwahre Essenz zu reduzieren oder nur biografische Stationen abzuklappern. Noch beeindruckender ist, wie souverän er auf seiner Reise durch den Dylan-Kosmos zwischen den Zeiten und Orten wechselt und dabei immer neue Stile anprobiert. An Stelle der sonst üblichen Bilderbuchpsychologie ist dieses Musikerporträt aus lauter Parallelwelten gebaut, und die vielen Songs auf dem Soundtrack nimmt Haynes ernst, indem er sie gerade nicht zu bebildern versucht. (...) Ein Trip durch ein wucherndes Geflecht aus Leben, Werk und Mythos einer Ikone, die nie Ikone sein wollte.»
Filmbesprechung, Tages-Anzeiger, 6. September 2007, Florian Keller
Festivals & Preise:
Oscar-Nomination 2008: Beste Nebendarstellerin (Cate Blanchett)
Golden Globe 2008 für Cate Blanchett
Venedig 2007: Spezialpreis der Jury
